INHOUSE-PRODUKTION VON WEICHSCHAUM: WENN SCHAUMSTOFF ZUR STRATEGISCHEN KOMPETENZ WIRD

Schaumstoff ist eine der wichtigsten Komponenten in Matratzen, Kissen, Polstermöbeln und zahlreichen Komfortprodukten. Traditionell ist er für viele Hersteller zugleich ein Material, das von spezialisierten Lieferanten bezogen wird. Doch in einem Produktionsumfeld, das zunehmend von veränderten Beschaffungsstrategien, kürzeren Reaktionszeiten und dem Bedarf an stärkerer Produktdifferenzierung geprägt ist, gewinnt eine andere Frage an Bedeutung: Wie viel Kontrolle sollte ein Hersteller über eines der Materialien haben, das die Eigenschaften seines Endprodukts am unmittelbarsten bestimmt?

EINE GLOBALE INDUSTRIE UNTER DRUCK

Laut dem CSIL-Bericht 2026 „The World Upholstered Furniture Industry“ belief sich der weltweite Verbrauch von Polstermöbeln im Jahr 2025 auf rund 77 Milliarden US-Dollar. Die Branche ist weiterhin stark globalisiert; mehr als 40 % der weltweiten Produktion werden exportiert. Dadurch sind Hersteller in besonderem Maße Veränderungen bei Zöllen, Handelspolitik und Beschaffungsstrategien ausgesetzt.

Die Vereinigten Staaten sind ein besonders anschauliches Beispiel für dieses sich wandelnde Umfeld. CSIL beschreibt selektives Reshoring als eines der prägenden Merkmale des aktuellen US-amerikanischen Polstermöbelmarktes. Importe decken weiterhin knapp 40 % des US-Verbrauchs, doch Unternehmen überprüfen ihre Produktionsstandorte Produkt für Produkt neu, da sich Zölle und Beschaffungsbedingungen verändern.

Reshoring bedeutet nicht automatisch, Schaumstoff intern zu produzieren. Es spiegelt jedoch eine breitere Entwicklung wider: Unternehmen überdenken, wo die Produktion stattfinden soll, wie lang Lieferketten sein sollten und welche Fertigungsprozesse strategisch wichtig genug sind, um sie direkter zu kontrollieren.

Für Unternehmen, deren Produkte in hohem Maße von Polyurethanschaum abhängen, kann die Schaumstoffproduktion Teil dieser Überlegungen sein.

WARUM MEHR KONTROLLE ÜBER DEN SCHAUMSTOFF WICHTIG IST

Die Bedeutung von Schaumstoff in der Heimtextil- und Möbelindustrie kann kaum überschätzt werden. Laut EUROPUR werden rund 50 % des in Europa produzierten flexiblen Polyurethan-Blockschaums für Matratzen und etwa 35 % für Möbel verwendet.

Seine Funktion geht weit über das bloße Füllen eines Produkts hinaus. Dichte, Härte, ILD/IFD (Indentation Load/Force Deflection), Rückstellvermögen und Rezeptur tragen unmittelbar zu Komfort, Stützwirkung, Haltbarkeit und Produktpositionierung bei.

Aus diesem Grund betrachten einige vertikal integrierte Hersteller die Schaumstoffentwicklung bereits als Teil ihres eigenen Produktentwicklungsprozesses. Beispiele aus der Branche zeigen, dass Unternehmen interne Kompetenzen in der Schaumstoffproduktion mit schnelleren Reaktionen auf Nachfrageänderungen, der Kontrolle von Qualitätsstandards, Produktinnovation und der Entwicklung differenzierter Komfortlösungen verknüpfen.

Der strategische Vorteil besteht daher nicht einfach darin, „selbst herzustellen statt einzukaufen“. Er liegt in der Möglichkeit, Schaumstoff von einem vordefinierten Zukaufmaterial zu einer variablen Größe im Fertigungsprozess zu machen.

Ein Hersteller, der den Schäumprozess kontrolliert, kann potenziell direkt an Dichte, Festigkeit, ILD/IDF, Rezeptur und weiteren Eigenschaften arbeiten – abgestimmt auf die Anforderungen einer Matratze, eines Kissens, eines Sofapolsters oder eines anderen Endprodukts. Dazu können die Entwicklung flammhemmender Rezepturen oder die Zugabe fester und funktionaler Additive gehören – beispielsweise Gele, kupferhaltige Komponenten oder andere Materialien, die gezielt bestimmte thermische, Komfort- oder Leistungseigenschaften ermöglichen sollen. Diese Flexibilität gibt Herstellern die Möglichkeit, neue Rezepturen zu erproben und die Produktion an einzelne Produktlinien anzupassen, anstatt ausschließlich auf die in einem Lieferantenkatalog verfügbaren Spezifikationen beschränkt zu sein.

VOM SCHAUMSTOFFKÄUFER ZUM SCHAUMSTOFFHERSTELLER

Die interne Schaumstoffproduktion ist nicht für jeden Hersteller die richtige Wahl. Produktionsmengen, Investitionen, Produktionsanforderungen und die Beschaffung chemischer Rohstoffe müssen sorgfältig bewertet werden.

Für Hersteller mit einem geeigneten Produktionsprofil eröffnet die vertikale Integration jedoch eine andere Sichtweise auf die Schaumstoffbeschaffung. Anstatt fertige Blöcke zu bestellen und die Produktion an die verfügbaren Materialien anzupassen, kann der Schaumstoff entsprechend den eigenen Anforderungen und dem eigenen Produktionsplan hergestellt werden.

Dies kann besonders wertvoll sein, wenn Hersteller ein breites Produktportfolio, häufig wechselnde Spezifikationen oder proprietäre Materialeigenschaften benötigen. Zugleich entsteht eine engere Verbindung zwischen F&E und Fertigung: Anstatt ein Endprodukt um einen bereits vorhandenen Schaumstoff herum zu entwickeln, kann der Schaumstoff selbst Teil des Entwicklungsprozesses werden.

BLOCKSCHAUM ODER FORMSCHAUM?

Für die interne Schaumstoffproduktion gibt es nicht nur einen einzigen Ansatz.

Für Matratzen, Kissen, Polsterungen und andere Produkte, bei denen der Schaumstoff anschließend zugeschnitten, profiliert oder weiterverarbeitet wird, ist die Blockschaumproduktion eine mögliche Lösung. Chemische Komponenten reagieren und expandieren zu einem Polyurethanblock, der anschließend in die für das Endprodukt erforderlichen Formen und Abmessungen weiterverarbeitet werden kann.

Ein zweiter Ansatz ist die Formschaumproduktion. Dabei werden die Polyurethankomponenten direkt in eine Form eingebracht, in der der Schaum expandiert und zur gewünschten Geometrie aushärtet. Das Formschäumen eignet sich daher besonders für Produkte, bei denen eine reproduzierbare dreidimensionale Form erforderlich ist, beispielsweise Formkissen, Sitzkomponenten, Rückenlehnen und bestimmte Kissentypen.

Die Wahl hängt somit davon ab, was ein Hersteller produzieren muss: einen vielseitigen Block, der zu unterschiedlichen Produkten weiterverarbeitet werden kann, oder ein fertiges Schaumstoffbauteil mit vordefinierter Form.

WAS BRIGHI BIETET: INHOUSE-SCHAUMSTOFFPRODUKTION

Brighi hat verschiedene Lösungen entwickelt, die Herstellern eine größere Kontrolle über diese kritische Produktionsstufe ermöglichen sollen.

Für Unternehmen, die mit Schaumstoffblöcken arbeiten, ist die Blockschaumanlage FP-400 ein Niederdruck-Kastengießsystem für die diskontinuierliche Polyurethanproduktion. Der gesamte Schäumprozess ist darauf ausgelegt, eine gleichmäßige Verteilung der Rezeptur und konsistente Schaumeigenschaften im gesamten Block sicherzustellen.

Der Hauptvorteil der Maschine ist ihre Flexibilität. Das System kann verschiedene Schaumstoffe auf MDI- und TDI-Basis produzieren und ermöglicht es Herstellern, Blockgewicht, Abmessungen und Rezepturen individuell anzupassen. Dadurch werden kleine bis mittlere Chargen, kundenspezifische Produkte und die Entwicklung von Rezepturen möglich, ohne dass die für eine herkömmliche kontinuierliche Schaumstofflinie typischen Produktionsmengen erforderlich sind.

Für Hersteller, deren Produkte vordefinierte Formen statt nachträglich weiterverarbeiteter Blöcke erfordern, stellt die Hochdruck- oder injektionsbasierte Formschaumproduktion mit dem Modell FP-200 einen weiteren möglichen Weg dar, bei dem Polyurethan direkt in einer Form hergestellt werden kann.

Das gemeinsame Prinzip beider Ansätze ist dasselbe: die Schaumstoffproduktion näher an das Endprodukt heranzubringen.

In einem Markt, in dem Hersteller Beschaffung, Reaktionsfähigkeit und Produktdifferenzierung kontinuierlich neu bewerten, eröffnet dies eine neue strategische Möglichkeit. Schaumstoff muss nicht länger ausschließlich als zu beschaffendes Material betrachtet werden. Für den passenden Hersteller kann er zu einer Kompetenz werden, die sich gezielt kontrollieren lässt.

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